Die COVID-Impfung bei Kinderwunsch und Schwangerschaft

Die COVID-Impfung bei Kinderwunsch und Schwangerschaft, ein heißes Eisen.

Am letzten Wochenende war die digitale Kinderwunschmesse. Bei den Fragerunden gab es ein Thema, das allen Teilnehmerinnen auf der Seele brannte: die COVID-Impfung bei Kinderwunsch und Schwangerschaft.

Hier ist eine große Verunsicherung zu spüren. Nicht zuletzt wegen der Nebenwirkungen und der wechselnden Zulassung des Impfstoffs von AstraZeneca.

Deshalb habe ich mal alle Daten zur Impfung zusammengetragen. Wohl wissend, dass dies unter Umständen nur eine Momentaufnahme ist bei der schnell sich ändernden Datenlage. Was also spricht für oder gegen die COVID-Impfung bei Kinderwunsch und Schwangerschaft?

Am Ende erzähle ich Dir noch eine kleine Geschichte, die mich erschüttert hat.

Hilft die Impfung denn überhaupt?

Nach der ersten Dosis ist das Risiko 10-14 Tage nach der Impfung, sich anzustecken schon deutlich geringer. 65 Prozent weniger Ansteckungen, unabhängig vom Impfstoff. Für Verläufe mit Symptomen sinkt das Risiko sogar um 72 Prozent.

Das geht aus der Auswertung der Daten vom 01.12.2020 bis zum 01.04.2021 hervor. Eingeschlossen waren 370.000 Menschen.

 Diese Daten sind unabhängig von Alter und Gesundheitszustand der Geimpften.

Wie sieht es seit der Impfung auf den Intensivstationen aus?

Auch hat sich auf den deutschen Intensivstationen die Lage verändert. Der Altersdurchschnitt derer, die wegen einer COVID-Erkrankung auf der Intensivstation lagen, ist um 10 Jahre gesunken.

Trotzdem ist es immer noch so, dass zirka jeder dritte Patient, der intensivstationspflichtig wird, verstirbt. Das sind keine rosigen Aussichten!

Dazu ein sehr interessantes Interview:

ZEIT ONLINE: Betrifft das vor allem ältere Menschen?

Eckardt: Nicht nur. Während der zweiten Welle waren die Patientinnen und Patienten bei uns im Mittel 63 Jahre alt, viele waren also damals schon jünger. Jetzt scheint sich die Altersverteilung um weitere zehn Jahre nach unten zu verschieben. Wir haben auch bereits Patienten verloren, die keine 30 Jahre alt waren. (Prof. Eckhardt/Charieté Berlin)

Den ganzen Artikel zum Nachlesen:

https://www.zeit.de/arbeit/2021-04/kai-uwe-eckardt-corona-intensivstation-patienten-gefahr?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Ein schönes Poster, wie die Impfung wirkt, findest Du hier:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Materialien/Faktenblaetter/COVID-19_Vektor.pdf?__blob=publicationFile

Macht die Impfung unfruchtbar?

Dafür gibt es keine Hinweise.

Aber wo kommt dieses Gerücht her?

Mit dem sogenannten Spike-Protein dockt das SARS-CoV-2 an die Körperzellen an. Dieses Protein ähnelt einem Protein, das für die Plazentabildung (Bildung des Mutterkuchens) wichtig ist. Es heißt Syncitin-1.

Deshalb entstand das Gerücht, dass SARS-CoV-2 und folglich auch die Impfung eine Immunreaktion gegen die Bildung des Mutterkuchens hervorrufen könnte und so die Plazenta sich nicht bilden könne. Ohne Mutterkuchen keine Schwangerschaft!

Wie ähnlich sind sich die Proteine?

 Diese beiden Proteine, also das Spike-Protein vom SARS-CoV-2 und Syncitin-1, sind so unterschiedlich, dass eine Immunreaktion gegen Mutterkuchengewebe nicht stattfindet. Die Gemeinsamkeiten bestehen in 4 Aminosäuren, für eine Immunreaktion muss eine Ähnlichkeit von 50 bis 80 Aminosäuren bestehen. Da sind wir aber weit von entfernt.

Haben Frauen nach einer COVID-Erkrankung vermehrt Fehlgeburten?

Zum anderen müssten Frauen, die sich mit SARS-CoV-2 im letzten Jahr infiziert haben, eine höhere Fehlgeburtsrate haben bzw. unfruchtbar sein. Dies ist aber in keiner Studie belegt worden.

Soll ich mich in der Kinderwunschzeit impfen lassen?

Ja, ja, ja! Was ist die Alternative?

Mit der Impfung kannst Du das Risiko, Dich während einer Schwangerschaft mit Covid-19 zu infizieren, drastisch senken. Schwangere haben in der Frühschwangerschaft, auch aufgrund des jüngeren Alters, seltener Symptome. Insgesamt wird das Risiko für schwere Verläufe bei symptomatischen Schwangeren aber durch die Schwangerschaft, im Vergleich zu Nicht-Schwangeren gleichaltrigen Frauen, erhöht.

Gerade in der Spätschwangerschaft gibt es vermehrt schwere Verläufe. Auch müssen symptomatische Schwangere dann häufiger intensivmedizinisch betreut werden.

Risikofaktoren wie Übergewicht, hoher Blutdruck, eine Blutzuckererkrankung und ein Alter über 35 Jahre verschärfen die Situation.

Mit welchem Impfstoff kann ich mich impfen lassen?

Diese Frage ist einfach zu beantworten: unter dem sechzigsten Lebensjahr wird zurzeit nur mit einem mRNA-Impfstoff geimpft. Und wenn Du schwanger werden möchtest, bist Du in der Regel unter 60 😊.

Wie viel Zeit sollte zwischen Impfung und Kinderwunschbehandlung liegen?

Zu Beginn der Impfkampagne hat die europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) einen Zeitraum zwischen Impfung und Kinderwunschbehandlung von zwei Monaten für gut befunden.

Mittlerweile wird nach der zweiten Impfung nur ein Abstand von wenigen Tagen empfohlen, um die eventuell entstandenen akuten Impfreaktionen abklingen zu lassen. Die COVID-Impfung bei Kinderwunsch und Schwangerschaft ist hier kein Problem.

Was, wenn ich zwischen der ersten und zweiten Impfung schwanger werde?

Zunächst: Herzlichen Glückwunsch! Durch die erste Impfung ist Dein Risiko, an einer schweren Form der COVID-Erkrankung zu erkranken, um 2/3 gesunken. Damit bist Du schon deutlich besser dran als die meisten meiner ungeimpften Schwangeren.

…. Und was mache ich mit der zweiten Impfung?

Da wird es etwas schwieriger, zumindest hierzulande. Es gibt zurzeit keine Hinweise darauf, dass eine Impfung gegen SARS-CoV-2 dem ungeborenen Kind schadet.

Es gibt sogar Länder, wie Israel und die USA, die Schwangere priorisiert geimpft haben.

Hier in Deutschland kann eine Schwangere nach Risikoabwägung geimpft werden. Generell empfohlen wird es aber nicht.

Gibt es Daten zu Impfungen in der Schwangerschaft?

Es gibt eine kleine Studie, bei denen Daten von Frauen ausgewertet wurden, die bei der Impfung unbemerkt schwanger waren. Sowohl bei den mRNA-Impfstoffen (Biontech/Pfizer) als auch bei dem Impfstoff von AstraZeneca gab es keine erhöhte Fehlgeburtsrate.

Zurzeit läuft eine Studie mit 4.000 gesunden Schwangeren zur Sicherheit der Impfung in der Schwangerschaft.

Wie geht man mit der Impfung für Schwangere im Ausland um?

Die USA und Israel haben Schwangere vorrangig geimpft. Auch für England gilt jetzt die Empfehlung, schwangere Frauen zu impfen.

Aus den USA liegen hierzu die Daten von 90.000 schwangeren Frauen vor. Die meisten dürften mit einem mRNA-Impfstoff geimpft worden sein. Aus diesen Daten ergab sich bis jetzt kein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind bei einer Impfung in der Schwangerschaft.

Werden die Antikörper auf das Kind übertragen?

Schwangere, die eine Impfung gegen SARS-CoV-2 erhalten haben, geben die Antikörper an das Kind weiter und tragen so zu dessen Schutz bei.

Die Antikörpertiter sind nach einer Impfung konstanter als nach einer durchgemachten Erkrankung.

Wie ist das beim Stillen?

Auch beim Stillen werden die Antikörper über die Muttermilch aufs Kind übertragen. So kann eine stillende Mutter ihr Kind schützen.

Allerdings waren stillende Frauen, genauso wie Schwangere nie bei den Zulassungsstudien mit einbezogen.  Weshalb es hier auch keine offizielle Impfempfehlung gibt.

Es gibt aber auch bei Stillenden keinen Hinweis darauf, dass durch die Impfung eine Gefahr für Mutter und Kind besteht.

Zusammenfassung

Lange Rede, kurzer Sinn: wenn Du nicht schwanger bist, solltest Du Dich impfen lassen. Sobald die Priorisierung aufgehoben ist. Nicht nur zu Deinem Schutz, sondern auch zum Schutz Deines Wunschkindes. Denn neben allen anderen Risiken hat eine COVID-Infektion ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Auch untergewichtige Babys sind häufiger.

Die Impfung wirkt, daran besteht für mich kein Zweifel. Jede und jeder geimpfte hilft bei der Rückkehr in die Normalität. Außerdem schützen wir eine Bevölkerungsgruppe, für die der Impfstoff noch nicht zugelassen ist: unsere Kinder.

Die kleine Geschichte zum Schluss:

Vor kurzem habe ich meinen Sohn vom Training abgeholt. Beim Warten traf ich eine Bekannte. Sie erzählte mir, dass in der Klinik, in der Ihr Mann arbeitet, die Intensiv voll belegt sei. Der jüngste Patient dort sei, halt Dich fest: 10 Jahre alt.

Unsere Kinder sind beide in dem Alter. Da läuft es Dir kalt über den Rücken!

Ich bin übrigens das erste Mal mit AstraZeneca geimpft worden und werde auch die zweite Impfung mit diesem Impfstoff komplettieren.

Mein Appell, auch wenn es politisch wirkt: lass Dich impfen! Für Dich, für Dein Wunschkind, für unsere Kinder und uns alle. Damit wir mal wieder essen gehen könne, uns ohne Angst verabreden können, bummeln gehen können, ein Jazzkonzert oder das Theater besuchen können, Reisen können, und, und, und …

Jeder hat hier so seine eigenen Prioritäten.

Videos zum Thema:

Alles Liebe und bleib gesund

Deine Heidi

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Herzlich Willkommen!

Hallo, mein Name ist Dr. med. Heidi Gößlinghoff.

Ich bin Frauenärztin und Reproduktions-medizinerin mit Leib und Seele. Neben der Facharztausbildung habe ich mich in  Naturheilverfahren, Akupunktur und Neuraltherapie ausbilden lassen.

Später kamen noch Weiterbildungen der Ernährungsmedizin, Hormontherapie und Anti-Aging Medizin dazu. Zuletzt habe ich im März 2018 eine dreijährige berufsbegleitende Ausbildung der fachgebundenen Psychotherapie abgeschlossen.

Um so mehr haben mein Mann und ich uns gefreut, dass es mit der Familienplanung komplikationslos geklappt hat: wir haben drei tolle Kinder, die ich im Alter von 38, 39 und 49 Jahren bekommen habe.

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